Samstag, 30. Mai 2009
Sonntag, 24. Mai 2009
Das erste Hindernis
Das größte Problem war zunächst die Abgabe der Kapitel. Im Sommer 2007 wartete ich vergebens auf drei (!) Kapitel - und das sechs Wochen lang!
Natürlich hatte ich in den letzten stressigen Schulwochen Verständnis für die letzten Klassenarbeiten, wichtige Referate und Klassenfeiern gehabt. Natürlich auch für Urlaubsreisen, Familienausflüge und Vereinsfahrten. Aber irgendwann war meine Geduld auch am Ende. Es musste eine Lösung gefunden werden.
Ich schlug vor, dass jeder sich eine Frist aussuchen konnte: eine, zwei oder drei Wochen. Innerhalb dieser Frist musste das Kapitel in irgendeiner Form abgegeben werden - hauptsache, es kam an. Wer die Frist versäumte, musste sein heißgeliebtes Kapitel abgeben und das wollte natürlich niemand riskieren. Seitdem kamen die Kapitel (meistens) pünktlich an.
Nachdem die Idee dieser Sanktion im Forum und im Unterricht angenommen wurde, verfasste ich folgende Rundmail:
Sanktionen
Liebe Schreiberlinge,
ich habe derzeit den Eindruck, dass es viele Schreiber gibt, die schreiben wollen, dies aber noch nicht können, da einige Leute mit ihren Kapiteln einfach zu lange brauchen *hust*
Daher: jeder hat drei Wochen Zeit für sein Kapitel. Es ist mir egal, wie ihr es mir zukommen lasst: schickt es mir per Mail, per Sms, übergebt es Vivi irgendwie, diktiert es mir am Telefon – egal. Hauptsache ich bekomme es innerhalb der dreiwöchigen Frist.
Ist diese abgelaufen, schicke ich per Mail ein Rundschreiben an alle los und jeder, der das Kapitel haben will, schickt mir eine Antwort und fängt sofort an zu schreiben!
Die Frist fängt an, wenn ich ein Kapitel erhalte, es korrigiere und an alle weiterleite! Ab diesem Zeitpunkt beginnt für den nächsten Schreiber seine Frist!! Jeder hat einen Überblick bekommen und weiß daher, wann er dran ist!!!!!
Daher gilt ab jetzt folgendes:
Alex und Mara lassen mir ihr Kapitel irgendwie bis zum Freitag, den 5. Oktober 2007 zukommen!!! Ansonsten bin ich gezwungen, ihr Kapitel weiterzuleiten, selbst wenn sie schon fertige Kapitel haben!!!!!
Viele liebe Grüße,
Norsin
Natürlich hatte ich in den letzten stressigen Schulwochen Verständnis für die letzten Klassenarbeiten, wichtige Referate und Klassenfeiern gehabt. Natürlich auch für Urlaubsreisen, Familienausflüge und Vereinsfahrten. Aber irgendwann war meine Geduld auch am Ende. Es musste eine Lösung gefunden werden.
Ich schlug vor, dass jeder sich eine Frist aussuchen konnte: eine, zwei oder drei Wochen. Innerhalb dieser Frist musste das Kapitel in irgendeiner Form abgegeben werden - hauptsache, es kam an. Wer die Frist versäumte, musste sein heißgeliebtes Kapitel abgeben und das wollte natürlich niemand riskieren. Seitdem kamen die Kapitel (meistens) pünktlich an.
Nachdem die Idee dieser Sanktion im Forum und im Unterricht angenommen wurde, verfasste ich folgende Rundmail:
Sanktionen
Liebe Schreiberlinge,
ich habe derzeit den Eindruck, dass es viele Schreiber gibt, die schreiben wollen, dies aber noch nicht können, da einige Leute mit ihren Kapiteln einfach zu lange brauchen *hust*
Daher: jeder hat drei Wochen Zeit für sein Kapitel. Es ist mir egal, wie ihr es mir zukommen lasst: schickt es mir per Mail, per Sms, übergebt es Vivi irgendwie, diktiert es mir am Telefon – egal. Hauptsache ich bekomme es innerhalb der dreiwöchigen Frist.
Ist diese abgelaufen, schicke ich per Mail ein Rundschreiben an alle los und jeder, der das Kapitel haben will, schickt mir eine Antwort und fängt sofort an zu schreiben!
Die Frist fängt an, wenn ich ein Kapitel erhalte, es korrigiere und an alle weiterleite! Ab diesem Zeitpunkt beginnt für den nächsten Schreiber seine Frist!! Jeder hat einen Überblick bekommen und weiß daher, wann er dran ist!!!!!
Daher gilt ab jetzt folgendes:
Alex und Mara lassen mir ihr Kapitel irgendwie bis zum Freitag, den 5. Oktober 2007 zukommen!!! Ansonsten bin ich gezwungen, ihr Kapitel weiterzuleiten, selbst wenn sie schon fertige Kapitel haben!!!!!
Viele liebe Grüße,
Norsin
Interview mit Annika: Das Schreiben
"Die größte Schwierigkeit beim Schreiben war die große Schreibpause in und nach den Sommerferien. Dadurch, dass in dieser Zeit keine neuen Kapitel dazukamen, habe ich total den Faden verloren und es hat lange gedauert, wieder in die Geschichte reinzukommen. Vor allem, da ich Kapitel aus beiden Welten übernommen hatte. Aber dann hatte ich irgendwann wieder mal so einen Tag, an dem das Schreiben von ganz alleine lief.
Am besten schreibe ich immer direkt nach dem Mittagessen, weil ich dann satt und ausgeruht bin und meinen "Fantasie-Tank" wieder aufgeladen habe. Dann macht das richtig viel Spaß.
Vor allem in Silia konnte ich mich sehr gut einfühlen - besonders in ihre Gedanken, wenn sie Probleme mit ihren Eltern hatte oder sich einsam und verraten fühlte."
Annika W.
Am besten schreibe ich immer direkt nach dem Mittagessen, weil ich dann satt und ausgeruht bin und meinen "Fantasie-Tank" wieder aufgeladen habe. Dann macht das richtig viel Spaß.
Vor allem in Silia konnte ich mich sehr gut einfühlen - besonders in ihre Gedanken, wenn sie Probleme mit ihren Eltern hatte oder sich einsam und verraten fühlte."
Annika W.
Der Startschuss zum Schreiben
Jeder bekam eine Übersicht und es konnte losgehen. Da wir zwei Handlungsstränge hatten, beschlossen wir auch, dass immer zwei Kapitel zur gleichen Zeit geschrieben werden konnten, denn die Handlungsstränge waren unabhängig voneinander.
Ich bekam die Kapitel zugeschickt und korrigierte die Rechtschreibung und Grammatikfehler. Sobald ein Kapitel fertig war, konnte mit dem nächsten angefangen werden.
Wann war der genaue Startschuss? Zeitlich haben wir das nicht festgehalten, aber es muss im Sommer 2007 gewesen sein. Wir alle waren motiviert und waren begierig darauf, nach der langen, anstregenden Planungsphase endlich mit dem Schreiben beginnen zu können. Dennoch kam es nur schleppend voran.
Doch woran lag es?
Ich bekam die Kapitel zugeschickt und korrigierte die Rechtschreibung und Grammatikfehler. Sobald ein Kapitel fertig war, konnte mit dem nächsten angefangen werden.
Wann war der genaue Startschuss? Zeitlich haben wir das nicht festgehalten, aber es muss im Sommer 2007 gewesen sein. Wir alle waren motiviert und waren begierig darauf, nach der langen, anstregenden Planungsphase endlich mit dem Schreiben beginnen zu können. Dennoch kam es nur schleppend voran.
Doch woran lag es?
Planung? Ja, noch mehr Planung!
Die ersten sieben Kapitel und der Prolog standen fest - doch wie sollte es weitergehen?
Es folgte die wohl anstrengste Sitzung unseres Projekts: der endgültige Verlauf wurde festgelegt.
Wir waren gut in Form und füllten zwei Tafeln mit unserem Zeitstrahl. Zum Schluss hatten wir 29. Kapitel und einen Prolog und einen Epilog zusammen - alle kurz beschrieben, alle aufeinander abgestimmt und alle schon verteilt.
Die ursprünglichen Schreiber waren: Lisa, Vivi, Mara, Alexandra, Astrid, Annika, Patricia, Tatjana und Mark. Später kamen noch Hanna, Maroua und Maximilian statt Mark dazu, sodass wir eine Geschichte mit elf Schreibern planten.
Eine große Herausforderung.
Es folgte die wohl anstrengste Sitzung unseres Projekts: der endgültige Verlauf wurde festgelegt.
Wir waren gut in Form und füllten zwei Tafeln mit unserem Zeitstrahl. Zum Schluss hatten wir 29. Kapitel und einen Prolog und einen Epilog zusammen - alle kurz beschrieben, alle aufeinander abgestimmt und alle schon verteilt.
Die ursprünglichen Schreiber waren: Lisa, Vivi, Mara, Alexandra, Astrid, Annika, Patricia, Tatjana und Mark. Später kamen noch Hanna, Maroua und Maximilian statt Mark dazu, sodass wir eine Geschichte mit elf Schreibern planten.
Eine große Herausforderung.
Ordnergeschichten
Im Nachhinein kommt es mir gar nicht so vor, als hätten wir wirklich viel geplant. Doch jetzt, wenn ich meinen dicken Ordner mit dem Erdbeermuster aufschlage, werde ich von abertausenden Blättern erschlagen: Tabellen mit Kapitelübersichten, Beschreibungen von Charakteren, Planungsübersichten über schwierige Zusammenhänge, eine Landkarte unserer Fantasy-Welt (gemalt von Lisa und Mara), Computerausdrucke über unsere Forumsdiskussionen (es waren mehr als 100 Seiten Text gewesen - ich habe sie in verschiedene Themenschwerpunkte geordnet, sie in Kleingruppen zusammenfassen und vortragen lassen, damit alle einen Überblick über die gesamte Diskussionen bekamen), Notizen zu neuen Ideen und unzählige, dahingekritzelte Anmerkungen über Änderungen, Planungsumschwünge und noch mehr Planungen.
Es gab so vieles zu beachten - so vieles im Kopf zu behalten!
Nach einem Jahr stöhnten auch meine Schüler auf - so konnte es nicht weitergehen.
Schließlich backten wir für den Weihnachtsbasar gemeinsam Plätzchen, die wir dann auf unserem Schreibwerkstatt-Stand verschenkten (gegen eine Spende). Wir schrieben "Geschichten auf Bestellung" als Weihnachtsgeschenke, animierten die Besucher zu Schreibspielen und vieles mehr, sodass unsere Schreibwerkstattkasse mit 50 Euro gut gefüllt war. Davon kaufte ich für jeden einen schwarzen Schreibwerkstatt-Ordner. Ein prallgefülltes E-Mail-Paket ging von Postfach zu Postfach und bald waren die Ordner fast genauso voll wie mein Erdbeerordner.
Es gab so vieles zu beachten - so vieles im Kopf zu behalten!
Nach einem Jahr stöhnten auch meine Schüler auf - so konnte es nicht weitergehen.
Schließlich backten wir für den Weihnachtsbasar gemeinsam Plätzchen, die wir dann auf unserem Schreibwerkstatt-Stand verschenkten (gegen eine Spende). Wir schrieben "Geschichten auf Bestellung" als Weihnachtsgeschenke, animierten die Besucher zu Schreibspielen und vieles mehr, sodass unsere Schreibwerkstattkasse mit 50 Euro gut gefüllt war. Davon kaufte ich für jeden einen schwarzen Schreibwerkstatt-Ordner. Ein prallgefülltes E-Mail-Paket ging von Postfach zu Postfach und bald waren die Ordner fast genauso voll wie mein Erdbeerordner.
Planung über Planung über Planung!
Unsere Schreibwerkstatt kam aus der Planung gar nicht mehr heraus, doch wir machten Fortschritte. Auch hier half uns die Tafel weiter. Dies will ich mal an einem Beispiel veranschaulichen:
Wir suchten einen interessenten Start für Silias Geschichte. Es sollte etwas sein, womit Jugendliche sich identifizieren konnten. Etwas, was viele selbst erlebten. So kamen wir auf das Thema Führerschein. Jeder Leser konnte sich die Aufregung vorstellen, die vor einer Prüfung lauerte. Die Angst, zu versagen und durchzufallen. Die Reaktion des Fahrlehrers, der Eltern, Geschwister, Freunde.
Und genau dieser Situation musste sich Silia stellen. Doch wie könnte sich die Situation für das Mädchen weiterentwickeln? Eine schnöde Beschreibung eines normalen Schulalltags? Nein, es musste wieder eine Entwicklung, Konflikt oder Ereignis rein, etwas, das den Leser neugierig machte, aufregte oder mitriss.
Wir bauten eine Szene im Schulsekretariat ein, bei der ein mysteriöses Fax eine große Rolle spielte.
Erneut hielt ich die Kreide fragend in der Hand: Wie könnte die Situation nun weitergehen? Was für Möglichkeiten hatte Silia? In was für einem Umfeld lebte sie? Wie lebte sie? Was für Gefühle schwirrten ihr im Kopf herum?
So tasteten wir uns von Kapitel zu Kapitel voran.
Aber wir mussten auch noch unseren anderen Handlungsstrang im Auge behalten - schließlich durfte es da auch nicht langweilig werden!
So kam es, dass wir nach dieser Planungssitzung die ersten sieben Kapitel einschließlich des Prologs verplant hatten. Ich fasste sie zu einer Übersicht zusammen, in der jedes Kapitel eine grobe Inhaltsangabe hatte.
Beispiel:
2. Kapitel: Führerschein, Durchgefallen, Mobbing, will nach Hause --> Vivi
3. Kapitel: Einführung Hauptperson: Entscheidung/Heldentat --> Mara
(...)
Diese kurzen, kryptischen Botschaften hatten eines: einen klaren Anfang und ein klares Ende. Jedes Kapitel war in diesem Sinne genau durchgeplant. Wie die Schreibwerkstattler den Mittelteil füllten, war ihnen überlassen. Dieses Verfahren sorgte dafür, dass der Handlungsstrang eingehalten wurde.
Vivi, Lisa, Mara, Alexandra, Astrid, Annika und Tatjana übernahmen die Schreibaufträge für die ersten, ursprünglichen Kapitel.
Wir suchten einen interessenten Start für Silias Geschichte. Es sollte etwas sein, womit Jugendliche sich identifizieren konnten. Etwas, was viele selbst erlebten. So kamen wir auf das Thema Führerschein. Jeder Leser konnte sich die Aufregung vorstellen, die vor einer Prüfung lauerte. Die Angst, zu versagen und durchzufallen. Die Reaktion des Fahrlehrers, der Eltern, Geschwister, Freunde.
Und genau dieser Situation musste sich Silia stellen. Doch wie könnte sich die Situation für das Mädchen weiterentwickeln? Eine schnöde Beschreibung eines normalen Schulalltags? Nein, es musste wieder eine Entwicklung, Konflikt oder Ereignis rein, etwas, das den Leser neugierig machte, aufregte oder mitriss.
Wir bauten eine Szene im Schulsekretariat ein, bei der ein mysteriöses Fax eine große Rolle spielte.
Erneut hielt ich die Kreide fragend in der Hand: Wie könnte die Situation nun weitergehen? Was für Möglichkeiten hatte Silia? In was für einem Umfeld lebte sie? Wie lebte sie? Was für Gefühle schwirrten ihr im Kopf herum?
So tasteten wir uns von Kapitel zu Kapitel voran.
Aber wir mussten auch noch unseren anderen Handlungsstrang im Auge behalten - schließlich durfte es da auch nicht langweilig werden!
So kam es, dass wir nach dieser Planungssitzung die ersten sieben Kapitel einschließlich des Prologs verplant hatten. Ich fasste sie zu einer Übersicht zusammen, in der jedes Kapitel eine grobe Inhaltsangabe hatte.
Beispiel:
2. Kapitel: Führerschein, Durchgefallen, Mobbing, will nach Hause --> Vivi
3. Kapitel: Einführung Hauptperson: Entscheidung/Heldentat --> Mara
(...)
Diese kurzen, kryptischen Botschaften hatten eines: einen klaren Anfang und ein klares Ende. Jedes Kapitel war in diesem Sinne genau durchgeplant. Wie die Schreibwerkstattler den Mittelteil füllten, war ihnen überlassen. Dieses Verfahren sorgte dafür, dass der Handlungsstrang eingehalten wurde.
Vivi, Lisa, Mara, Alexandra, Astrid, Annika und Tatjana übernahmen die Schreibaufträge für die ersten, ursprünglichen Kapitel.
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